Kursindikationen von der Deutschen Bank in Zusammenarbeit mit boerse-social.com

Stirbt analoges Shopping aus? Wer überleben will, muss online sein.

Ein Gastbeitrag von Thomas Meyer

Die globale Wirtschaft unterliegt einem rapiden Wandel, der 2020 weiter beschleunigt wurde. E-Commerce, Online-Shopping und das Abwickeln sämtlicher finanzieller Angelegenheiten oder Verwaltungstätigkeiten muss übers Internet möglich sein – sonst läuft der Anbieter derzeit massive Gefahr auszusterben. Der Kunde will immer und jederzeit, vom Computer oder mobil vom Smartphone oder Tablet aus einkaufen; ein Trend, der derzeit zum Bankrott und Schließung zahlloser gigantischer Ladenketten in den USA führt, während Europa nicht weit dahinter liegt. Amazon und Co. haben die Nase vorn, und wenngleich Online-Giganten oft unfairen Handels bezichtigt werden, wird das an der drohenden Zukunft nichts ändern.

1994 wurde der erste Online-Kauf getätigt, knapp 25 Jahre später regiert E-Commerce die Welt! Die Idee entstand allerdings bereits weitaus früher, es heißt schon in den 70er Jahren wickelten Studenten ihre Marihuana-Deals anonym über den Internet-Vorläufer Arpanet ab. Die allererste ganz offizielle Transaktion war im August 1994 das Sting-Album “Ten Summoner’s Tales”, dessen Verkauf über den Marktplatz Netmarket gehandelt und für das per Kreditkarte gezahlt wurde – wobei es sich natürlich um eine CD handelte, ein Medium, das inzwischen bereits als Antiquität gilt.

Wer heute Musik hören möchte, streamt sie über Spotify oder Apple Music, besonders geschätzte Alben kauft man eventuell und lädt sie sich aufs Gerät. Literatur liest man häufig nicht mehr Seite für Seite, sondern hört sie unterwegs auf Audible an oder lädt sich das Buch auf seinen Kindle. In vieler Hinsicht wird mittlerweile also überhaupt keine “Ware” mehr verschickt, sondern lediglich elektronisch übermittelt. Ähnliches gilt für viele Services, ganz gleich ob im Unterhaltungs-, Finanz- oder gar Verwaltungs- und Regierungsbereich.

Tablet
Warum im Laden Schlange stehen, wenn Shopping auch von der Couch aus geht?
Quelle: Unsplash
Wer Spaß und Nervenkitzel beim Zocken sucht, braucht sich nicht länger die Krawatte umzubinden, um in eine Spielbank oder an die Rennbahn zu gehen, im Online Casino lässt es sich ganz problemlos registrieren und einloggen, wobei man die gleichen Gewinnchancen hat, sogar von der Couch im Wohnzimmer aus. Gleiches gilt für Sportwetten, sei im Fußball oder Rennsport, und dubiose Wettbüros sind demnach definitiv ein Ding der Vergangenheit.

Wie bequem und allgegenwärtig die virtuelle Welt ist, das erkennen inzwischen auch Regierungen und Behörden, die mit digitalen Dienstleistungen nicht nur dem Bürger Zeit, sondern sich selbst auch erhebliche Personalkosten einsparen. Ein Vorreiter in Europa ist hierbei Estland, wobei es dem osteuropäischen Staat zu Gute kam, dass er in den 90er Jahren und nach dem Zerfall der Sowjetunion weitgehend neu aufgebaut werden musste. Bankdienstleistungen mussten damals neu strukturiert werden, weshalb sich schon damals eine Hinwendung zum Digitalen empfahl und richtungsweisend wurde. Auch das Bildungswesen wurde zum Pioniermodell in Europa: bereits in den 90er Jahren wurden an 500 öffentlichen Stellen wie Stadtbibliotheken und Schulen digitale Hotspots eingerichtet, mit Bezuschussung durch die EU wurden landesweit kostenlose Internetschulungen finanziert. 1997 erfolgte ein bahnbrechender „Tigersprung“ in Estland, mit dem sämtliche seiner rund 500 Schulen Digitalausstattung erhielten.

Damit gilt Estland als Vorreiter in Sachen Online-Verwaltung, noch weit vor Deutschland, doch wenngleich man hier dem kompletten Umstellen des Handels auf Online oft mit Argwohn begegnet, wird diese Entwicklung kaum aufzuhalten sein. Wer nicht mitzieht, muss mit dem Ende seines Unternehmens rechnen – in vielen Branchen ist dies einfach traurige Realität. Der Arbeitsmarkt verändert sich rapide, gebraucht werden IT-Spezialisten, Informatiker, Web- und Grafikdesigner, Cyber-Security Fachkräfte, Software-Entwickler, Online-Kundenservice Personal und mehr, jedoch immer weniger Ladenkräfte, Kassierer und Verkaufsberater vor Ort. Qualifizierte Arbeitskräfte schätzen es, dass sie von jedem Ort und vor allem von daheim aus arbeiten können, die meisten Arbeitsnehmer würden aktuellen Studien zufolge lieber weniger verdienen, wenn sie dafür wenigstens gelegentlich von zuhause arbeiten könnten - was zur Folge hat, dass Unternehmen weniger in der Lage sind gute Talente für sich zu gewinnen, wenn der Job nicht in Telearbeit und Online erledigt werden kann. Online-Unternehmen besitzen demnach auch weniger Bürokosten, wenn nicht jeder Angestellte einen festen Arbeitsplatz braucht.

Wer E-Commerce und Online-Shopping anbietet, hat demnach auch in wirtschaftlichen Krisenzeiten wie 2020 bessere Überlebenschancen, während derzeit eine Ladenkette nach der anderen Pleite geht. Zuletzt kündigte das weltbekannte Dessous-Label „Victoria’s Secret“ an, vor dem Aus zu stehen nachdem ein Finanzdeal des Mutterkonzerns „L Brand“ kurzfristig geplatzt war.

Mobiltelefon Amazon Splash
Amazon – ein kleiner virtueller Buchladen regiert heute die Welt des E-Commerce
Quelle: Unsplash
Das große Lachen hat unter den globalen E-Commerce Unternehmen noch immer Amazon, einer der ersten Anbieter von Online-Shopping, wobei sich das Unternehmen jedoch über die Jahre hinweg als besonders innovativ und anpassungsfähig erwiesen hat. Als Jeff Bezos 2004 auf die Idee kam, Bücher über einen Internet-Marktplatz zu verkaufen, wurde er zunächst belächelt. Heute setzt der gigantische virtuelle Laden fast 45 Milliarden Dollar im Jahr um und durchdringt alle Lebensbereiche – wie mit Kindle, seinem virtuellen Buchladen, über den Home-Assistenten Alexa bis hin zu „Amazon Go“, einer neuen Supermarktkette, wo bargeldlos und mittels neuester Technologie geshoppt und bezahlt werden kann. Während Amazon oft beschuldigt wird seinen Angestellten Niedriglöhne zu bezahlen und unfaire Handelsbedingungen zu schaffen, bei denen kleinere Anbieter nur schwer mithalten können, ist der E-Commerce Riese kaum aufzuhalten und wird sicherlich auch weiterhin Trends setzen. Besonders schnelle Lieferzeiten, günstige Angebote und 1-Click Bezahlverfahren machen das Einkaufen auf Amazon einfach reizvoll.

Was vor allem Amazon in den vergangenen 16 Jahre bewiesen hat: Widerstandfähig ist, wer wandelbar bleibt und sich stets neuen Bedingungen anpassen kann. Wer heute noch immer hofft, ohne Internet-Präsenz und Online-Shopping-Option auszukommen und einfach nicht mit der Zeit gehen will, läuft Gefahr nicht länger konkurrenzfähig zu sein. Shopping wird jederzeit und von überall erledigt, am liebsten nach Geschäftszeiten, auf der Couch, vom Smartphone aus – und wer von Lebensmitteln bis zu Bekleidung wirklich alles per Klick kaufen kann, dabei auch noch Zeit, Benzin und Warteschlangen spart, wird immer mehr von diesen Vorteilen Gebrauch nehmen.

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